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  Sarunas Bartas  

Porträt

Jedes Jahr stellt goEast eine/n Regisseur/in aus jener Generation vor, deren erste Lebensphase noch in den Sozialismus fiel und für die Wende und Nachwendezeit künstlerisch prägend wurden. Ein umfassender Überblick soll es ermöglichen, die Handschrift und Entwicklung eines jungen Regisseurs oder einer jungen Regisseurin zu verfolgen. In diesem Jahr präsentiert goEast das Werk des litauischen Filmemachers Sarunas Bartas.

DAS KINO DER STILLE / SARUNAS BARTAS steht wie kein anderer für den Umbruch im postsowjetischen litauischen Kino. Präzise verzeichnen die Filme dieses ideellen und ästhetischen Erneuerers die Befindlichkeit der Menschen im posttotalitären Raum, ihr schmerzliches Durchleben des Zeitbruchs, ihr Misstrauen in die Losungen des Tages. Für Bartas „sind die Wörter Parasiten der Bilder“, weshalb sein Kino der Stille meist ohne Dialoge auskommt und Sujets weniger wichtig sind als Gesichter, Landschaften, Bewegungen. So zentral für Bartas die innere Reise ist und das, was man die ´Schönheit des Verschwindens’ nennen könnte, so sehr schöpft er seine Verallgemeinerungen doch aus der Wirklichkeit: Das verschwindende sibirische Völkchen der Tofolaren, afrikanische Schmuggler, Diebe, die sich in den Steppen der Krim verstecken – sie alle sind aus ihrer historischen Zeit nicht wegzudenken. „Ich weiß nicht, was Gegenwart ist, weil sie zu schnell vergeht. Ich weiß nicht, ob sie überhaupt existiert“, heißt es in DAS HAUS – präzise ist damit Bartas’ Ästhetik benannt. Das paradoxe, aber sehr eindringliche Gefühl der nicht mehr rückholbaren Zeit verleiht Bartas’ Filmen etwas Monumentales und Archetypisches. Verstärkt wird dies durch lange statische Einstellungen, den langsamen Filmrhythmus, verschwimmende Grenzen zwischen Dokumentarischem und Spielfilm. Manchmal scheint es geradezu, als würde das Reale durch Zeit ersetzt. So wird jede symbolische Reise des Regisseurs zugleich zu einer Reflexion über das Wesen des Films und seine Grenzen. Sarunas Bartas wurde 1964 in Siauliai geboren und studierte an der Moskauer Filmhochschule VGIK. 1989 gründete er mit „Kinema“ die erste unabhängige Produktionsfirma seines Landes. 2001 wurde er mit dem „Nationalen Kultur- und Kunstpreis“ ausgezeichnet.

FILMGESPRÄCH:
Sarunas Bartas im Gespräch mit dem Filmjournalisten Skirmantas Valiulis
Villa Clementine: 07.04. / 16.00 Uhr

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  DAS HAUS / NAMAI  

DAS HAUS / NAMAI
Litauen / Portugal 1997
Regie: Sarunas Bartas, 120 MIN
„Mein Haus. Ich kann nicht sagen, wo in der Welt es liegt. Ich weiß nur, dass das mein Haus ist. Im Haus leben viele Menschen. Einige kamen und gingen, andere blieben. Einige sind immer noch da. Manchmal ist es sehr kalt im Haus. Ich würde gerne wissen, wie viele Menschen hier sind. Aber das ist schwierig – sie wandern oft von einem Zimmer ins andere. Manchmal sind sie auch für kurze Zeit weg. Manchmal essen wir alle. Aber wir sind niemals zusammen. Oft ziehen die Menschen von einem Zimmer in ein andres. Zu oft, wie ich finde. Ich kann sie nicht zählen. Aber es ist noch genug Zeit, herauszufinden, wer hier wohnt.“ S.B.
Alpha: 06.04. / 20.00 Uhr

   
           
         
           
  KORRIDOR / KORIDORIUS  

KORRIDOR / KORIDORIUS
Litauen / Deutschland 1995
Regie: Sarunas Bartas, 80 MIN
Der Raum des Films: ein Land, eine Stadt und eine Menschenseele, die sich in Erinnerung verwandelt hat und so den Blick der Mutter, eine Berührung des Vaters und die einst gemachte Bekanntschaft mit dem sinnlos Bösen bewahrt. Die Atmosphäre der Gegenwart ist ewig, so ewig wie die Nichtigkeit unserer täglichen Reise durch den Korridor. Wir öffnen viele Türen, immer in der Hoffnung, auf jemanden zu treffen, der uns mit strahlenden Augen ansieht.
Alpha: 07.04. / 18.00 Uhr

   
           
         
           
  FREIHEIT / LAISVE  

FREIHEIT / LAISVE
Litauen / Frankreich / Portugal 2001
Regie: Sarunas Bartas, 96 MIN
„Sie haben nicht damit gerechnet, erwischt zu werden. Wie jeder, der illegale Geschäfte treibt, nicht damit rechnet. Leider machte die Küstenwache keinen Unterschied zwischen Flüchtlingen, Drogenhändlern und Reisenden. Sie wurden beschossen. Nur wenige konnten sich retten. Von der Polizei gesucht, ohne Essen und Geld, haben sie wenig Hoffnung, zu überleben.“ S.B.
Caligari: 08.04. / 16.00 Uhr

   
           
         
           
  SIEBEN UNSICHTBARE MENSCHEN / SEPTINI NEMATOMI ZMONES  

SIEBEN UNSICHTBARE MENSCHEN / SEPTINI NEMATOMI ZMONES
Litauen / Frankreich / Portugal 2005
Regie: Sarunas Bartas, 116 MIN
Die Protagonisten stehen der Gesellschaft feindselig gegenüber, jeder aus seinen eigenen Gründen. Darum reisen sie: einer flieht vor dem Gesetz, ein anderer vor sich selbst. Ihre verzweifelte Reise führt sie in einen unausweichlichen Konflikt mit der Welt, die nicht nach ihren Maßgaben verändert oder erneuert werden kann. Die Fäden eines ganz gewöhnlichen Schicksals sind schon fest gewebt; man wird sie kaum noch durchtrennen können.“ S.B.
Alpha: 09.04. / 20.00 Uhr

   
           
         
           
  WIR SIND WENIGE / MUSU NEDAUG  

WIR SIND WENIGE / MUSU NEDAUG
Litauen / Frankreich / Portugal / Deutschland 1996
Regie: Sarunas Bartas, 105 MIN
Wer ist dieses Mädchen, das die wilde und grenzenlose Landschaft der Sajanen vom Hubschrauberfenster aus betrachtet? Wonach sucht sie in diesem von der Zivilisation unberührten Land, in dem das kleine, von Gott vergessene Volk der Tofolaren lebt?
Alpha: 10.04. / 12.00 Uhr

   
           
         
           
     

DOPPELPROGRAMM:

   
           
  DREI TAGE / TRYS DIENOS  

DREI TAGE / TRYS DIENOS
Litauen 1991
Regie: Sarunas Bartas, 76 MIN
Die Stadt bewegt sich unablässig, sie funktioniert nach nicht erklärbaren Regeln. Wo man hinsieht, zeigen sich Strukturen, verästelte Wege, Ein- und Ausgänge. Zwei junge Männer vom Land lassen sich bereitwillig vom verfallenden Königsberg aufnehmen und werden drei Tage lang an den Rändern einer Gesellschaft herumgetrieben, die ihnen keine Beobachterposition zugesteht. Leere Kais, dunkle Keller, schemenhafte Gestalten, gewaltige Maschinen verweben sich zu einem organischen Bild- und Klangteppich, in dem sie sich vollends verstricken, wobei sie Unschuld und Unbekümmertheit verlieren – einer durch Liebe, der andere durch Gewalt. Schließlich flüchten sie sich wieder in die Einöde, in der die Existenz des übermächtigen Wesens nur mehr zu erahnen ist.
Alpha: 11.04. / 20.00 Uhr

   
           
         
           
  ERINNERUNG AN EINEN VERGANGENEN TAG / PRAEJUSIOS DIENOS ATMINIMUJ   ERINNERUNG AN EINEN VERGANGENEN TAG / PRAEJUSIOS DIENOS ATMINIMUJ
UdSSR (Litauische SSR) 1990
Regie: Sarunas Bartas, 40 MIN
„Schon lange bewundere ich die Stadt. Manchmal scheint sie sogar eine Schöpfung der Natur zu sein, scheint es, dass irgendeine unsichtbare Macht viele Menschen zu einem einzigen großen, lebendigen Organismus vereint hat. Manchmal scheint der Mensch gegen seinen Willen zu diesem Wesen zu streben, um mit ihm zu verschmelzen, sich in seinem Blutkreislauf aufzulösen, seine kleine Existenz in jenem Stimmengewirr aufgehen zu lassen, das mit dem Tag anhebt und mit der Nacht abklingt. Nirgendwo fühlt sich der Mensch so einsam wie in der Stadt. Und nirgendwo stürzt er sich in solche aberwitzigen Lustbarkeiten.“ S.B.
Alpha: 11.04. / 20.00 Uhr
   
           
         
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